Was ist Biokunststoff aus Hanf?

Viele Menschen kennen Hanf-Produkte nicht als Biokunststoff, sondern nur als Rauschmittel oder Arzneimittel. Die Hanfpflanze, ganz besonders der Nutzhanf oder Industriehanf (Gattung Cannabis) verfügt jedoch über Blätter, Gestänge und Samen mit sehr hohem Nutzwert. Im Bereich der kommerziellen Nutzung, kann Hanf als Grundlage für die Herstellung von vielen Produkten des täglichen Lebens dienen. Sogar in der Autoindustrie wir Hanf bereits genutzt, zum Beispiel in Türinnenverkleidungen aus hanffaserverstärktem Kunststoff (Matrix Polyethylen PE).

Im Unterschied zu petrochemisch erzeugten Kunststoffen bieten die Biokunststoffe, also die sogenannten Biopolymere, vielversprechende Lösungen für zahlreiche Probleme der Gegenwart und der Zukunft. Die Biopolymere sind langkettige natürliche Verbindungen die sich plastisch formen lassen. Aus Biopolymeren kann man Werkstoffe ohne Erdöl erzeugen die biologisch abbaubar sind. Die Cellulose ist beispielsweise ein natürliches Polymer das bereits viele von uns kennen, es wird zur Herstellung von Papier genutzt. Auch die Hanfpflanze besteht zu einem großen Teil aus Cellulose. Es ist das in der Natur am häufigsten vorkommende, natürliche Polymer. In Verbindung mit Lignin und Pektinen bildet Cellulose die Gerüstsubstanz für pflanzliche Zellwände. Hanf enthält in seinen Fasern ca. 60% leicht verfügbare Cellulose.

Der Begriff „Biokunststoff“ ist nicht einheitlich definiert. Es gibt grundsätzlich zwei Arten von Bioplastik:

  • Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen als Alternative zu Erdöl
  • Biologisch abbaubare Kunststoffe, die im Kompost verrotten sollen




Biokunststoff aus Hanf schützt die Umwelt

Laut Umweltbundesamt kann die Zersetzungszeit von petrochemisch, also mit Erdöl erzeugten Kunststoffen in Abhängigkeit von verschiedenen Umweltfaktoren bis zu 450 Jahre betragen, wobei selbst dann nicht von einem vollständigen Abbau gesprochen werden kann (umweltbundesamt.de).

Bei Biokunststoff verhält sich das etwas anders, der biologische Kunststoff wird von Mikroorganismen in Wasser, CO2 und Biomasse zerlegt. Wenn biologisch-abbaubare Biokunststoffe nach der EU-Norm EN 13432 für die industrielle Kompostierung geeignet und zertifiziert sind, dann bauen sie sich innerhalb von maximal zwölf Wochen unter den entsprechenden Rahmenbedingungen in einer industriellen Kompostieranlage ab und zerfallen dabei in Wasser, CO2 und natürliche Biomasse.

Die Haltbarkeit von Biokunststoff kann in Abhängigkeit von der geplanten Verwendung jedoch auch verlängert werden.

Biokunststoffe die aus Pflanzen gewonnen werden, setzen bei der Zersetzung übrigens nur so viel CO2 frei, wie sie in ihrer Wachstumsphase aufgenommen haben. Unter individueller Berücksichtigung von Transport- und Prozessenergie sind Biokunststoffe daher als CO2-neutral anzusehen.

Kunststoff aus Hanf und anderen Pflanzen bietet also wunderbare Alternativen zum umweltfreundlichen Einsatz von Verpackungen aus Kunststoff. Die weltweite Belastung durch Kunststoffe die nicht wirklich verrotten, kann dadurch wirksam reduziert werden.

Bei Biokunststoffen ist die Umweltfreundlichkeit offenkundig relativ und hängt ganz überwiegend davon ab, welchen Schutzzweck man erreichen will. Möchte man die natürlichen Ressourcen schonen oder den Plastikmüll durch eine schnelle biologische Abbaubarkeit reduzieren?

In Deutschland wird unter Experten ein mögliches Marktvolumen für Biokunststoff in Höhe von 2 Milliarden Euro jährlich diskutiert. Über 5,6 Millionen Tonnen Verpackungen werden in Deutschland jedes Jahr aus Kunststoff hergestellt. Diese Zahlen machen das enorme Potenzial deutlich.

Es gibt jedoch auch kritische Stimmen die Bioplastik für Augenwischerei halten. Die Argumente der Kritiker sind die offenbar fehlende Möglichkeit zur Wiederverwertung (Recycling) und die relativ kurze Haltbarkeit. Darüber hinaus soll Biokunststoff nicht ausreichend robust sein und der Anbau von Pflanzen für die Herstellung von Bioplastik soll in Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion stehen.

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